Wissenswertes aus dem Bundesverband

Ist das Leben die Schule? - ein Kommentar

In den letzten Jahren wurde das deutsche Schulsystem einer großen Reform unterzogen. Nach und nach wurde die Schulzeit bis zum Abitur von 13 auf 12 Jahre heruntergesetzt. Hauptargument dieser Verkürzung ist der Vergleich gegenüber anderen Ländern, in denen Schülerinnen und Schüler 12 Jahre die Schule besuchen. Diese Reform wird allgemein „G-8“ genannt, größter Kritikpunkt daran ist die Vermittlung von gleicher Bildung in kürzerer Zeit, mit der einhergehenden höheren Belastung der Schülerinnen und Schüler. Aufgrund dieser Kritik wird in mehreren Bundesländern diskutiert, ob diese Reform zurückgenommen bzw. Wahlmöglichkeiten für Eltern geschaffen werden. In Bayern wurde über ein Volksbegehren erfolglos versucht, diese Reform zu kippen bzw. eine Wahlmöglichkeit für Eltern zwischen G-8 und G-9 zu schaffen. Das Volksbegehren scheiterte schon an seiner Zulassung, denn dazu hätte es 950.000 Unterschriften bedurft. Das Bundesland Niedersachsen hat die Rückkehr zur 13-jährigen Schulzeit angekündigt. Doch was ist der richtige Weg für eine sehr gute Schulbildung von Kindern und Jugendlichen? Die Wochenzeitung „Die Zeit“ kommt zu dem Schluss, dass aus heutiger Perspektive beide Wege wissenschaftlich untersucht werden müssen, um
zu einer verlässlichen Aussage über die Vor- und Nachteile längerer oder verkürzter Schulzeiten zu gelangen (1).
Eine andere Frage stellt das Leben der Schülerinnen und Schüler dar. Die Stundentafel des Gymnasiums für das Land NRW sieht vor, dass Kinder und Jugendliche zwischen 30 und 35 Wochenstunden in der Schule verbringen (2), fast eine normale Arbeitswoche von Berufstätigen. Doch nicht nur die Präsenzzeiten in der Schule sondern auch die Nachbereitung des Unterrichts erfordert zusätzliche Arbeitszeit. Nicht wenige Kinder sitzen bis in die frühen Abendstunden an ihrem Schreibtisch und haben kaum noch Zeit für andere Arten der Freizeitgestaltung. Besonders die offene und verbandliche Jugendarbeit sowie Sportvereine leiden unter dem „Turboabitur“ bzw. der „Turboreife“. Aber ist diese Reife, die Schülerinnen und Schüler durch das Abitur erlangen, nur auf Wissensvermittlung zu reduzieren? Oder muss nicht auch Wert auf eine gewisse menschliche und soziale Reife gelegt werden, die durch Partizipation und Engagement in Jugendverbänden und Vereinen erlangt wird?
Meiner Meinung nach sollte die Schule für das Leben da sein und nicht das Leben für die Schule. Das bedeutet, dass Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit eingeräumt wird ihr Leben frei zu gestalten! Lehrpläne müssen entrümpelt werden, damit
Freiräume geschaffen werden, Zeit selbstbestimmt und frei gestalten zu können.

 

Tobias Köster ist Realschullehrer und war Mitglied im Bundesarbeitskreis

(1) http://www.zeit.de/2013/12/G8-Diskussion-Nachteile
(2) http://www.schulministerium.nrw.de/docs/Schulsystem/Schulformen/Gymnasium/Sek-I/FAQ1/index.html

Freie Bahn fürs Ehrenamt - ein Kommentar

Juli und August – Ferienzeit! Es ist die Zeit zum Ausspannen und Erholen von den vielen Terminen des vergangenen Jahres. Oft geht es mit der Familie in den Urlaub oder mit Jugendgruppen zur Ferienfreizeit.
Schaut man in den Duden, findet man für „Freizeit" diese zwei Definition:
1. Zeit, in der jemand nicht zu arbeiten braucht, keine besonderen Verpflichtungen hat; für Hobbys oder Erholung frei verfügbare Zeit
2. [mehrtägige] Zusammenkunft für Gruppen mit bestimmten gemeinsamen Interessen
Es bedeutet also, dass in diesem Zeitraum nicht gearbeitet werden, nichts für die Schule oder die Arbeit gemacht werden muss. Sie stellt eine Zeit dar, die man nach eigenem Belieben mit Aktivitäten füllen kann, die einem Spaß und Freude bereiten. Doch wie viel bleibt davon neben Sport und Musikunterricht für das Ehrenamt?
Immer seltener gibt es Gruppenstunden für Kinder und Jugendliche, weil gerade den Leitungen die nötige Zeit fehlt. Doch nicht nur die Zeit ist ein Faktor, der besonders Jugendliche und junge Erwachsene daran hindert die Verantwortung in Gruppen- stunden oder anderen Leitungspositionen in der Jugendarbeit zu übernehmen. Sondern beispielsweise auch die Pflicht ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen oder in einem Nebenjob zusätzlich Geld verdienen zu müssen, lässt sie davor zurückschrecken.
Es gilt daher solche Barrieren abzubauen, um Kinder und Jugendliche weiterhin zur Jugendarbeit zu ermutigen. Denn gerade in der außerschulischen Jugendarbeit können Kompetenzen der Verantwortungsübernahme und des Demokratie- verständnisses sehr gut erlernt werden. Des Weiteren bietet sie einen großen Raum zum Einbringen der eigenen Kreativität und zur Entfaltung einer starken
Persönlichkeit. Letztlich werden dort Grundsteine für eine starke und lebendige Gesellschaft gelegt.
Bereits Adolph Kolping sagte „Was man im Großen nicht kann, soll man im Kleinen nicht unversucht lassen", und wies damit seiner Zeit schon den Weg, den der einstige Gesellenverein heute in der Kolpingjugend weiterführt: Stück für Stück daran zu arbeiten, jungen Menschen die Entwicklung zu gebildeten und mündigen Bürgerinnen und Bürgern zu ermöglichen. Dem folgend muss dem Ehrenamt wieder ein höherer Stellenwert zukommen, der sich auch in Strukturen bemerkbar macht. Daher müssen Barrieren wie das erweiterte Führungszeugnis abgeschafft werden oder zumindest bürokratische Erleichterung erfahren. Kindern und Jugendlichen muss der Besuch einer Gruppenstunde oder die Ausübung einer Leitungsposition in einem Jugendverband auch zeitlich und finanziell ermöglicht werden. Gemeinsam mit vielen anderen Jugendverbänden, steht die Kolpingjugend schon für solche Forderungen ein und kämpft für das Ehrenamt.
„Gemeinschaft macht Spaß – Engagement auch!", so lautet ein Leitsatz der Kolpingjugend. Ehrenamt macht Spaß und gibt viel zurück – so lautet mein persönliches Plädoyer für das ehrenamtliche Engagement!

 

Katharina Norpoth
Die 22jährige Gelsenkirchenerin ist Studentin der Sozialwissenschaft und Mitglied im Bundesleitungsteam der Kolpingjugend Deutschland.

Kolpingjugend wählt neues Leitungsgremium

Die Bundeskonferenz der Kolpingjugend war am Wochenende (14. – 16.03.14) in München (DV München & Freising) zu Gast. Dabei nahmen die Wahlen zum neu eingeführten Bundesleitungs- team einen wichtigen Teil der Konferenz ein. Während des feierlichen Abendprogramms am Samstag wurde der Kolpingjugendpreis verliehen sowie die beiden langjährigen Mandatsträger Florian Liening-Ewert aus der Bundesleitung und Patrick Garst aus dem Bundesarbeitskreis verabschiedet.
München – Auf eine arbeitsreiche Bundeskonferenz blickt die Kolpingjugend Deutschland zurück. Nach einer ausführlichen Strukturdebatte zur Neugliederung der Leitungsgremien der Bundesebene in den vergangenen Jahren, wurde mit dieser Bundeskonferenz die Testphase zum Bundesleitungsteam (BLT) eröffnet. Diese soll zwei Jahre bis 2016 dauern. Die vorherige Aufteilung der Leitungsverantwortung für die Kolpingjugend Deutschland zwischen Bundesarbeitskreis und Bundesleitung endet mit der Einführung des BLT, beide Gremien gehen darin auf.
Nach einer ausführlichen Vorstellung und Befragung der neun Kandidierenden auf die acht zu besetzenden Plätze, wurde Samstagmittag gewählt. Ab sofort leiten nun Annika Busch (DV Limburg), Karen Deul (DV Limburg), Anna-Maria Högg (DV Augsburg), Manuel Hörmeyer (Region Nord), Cathrin Lambers (DV Osnabrück), Renée Liening-Ewert (DV Würzburg), Christopher Mrosk (DV Freiburg) und Katharina Norpoth (DV Essen) die Geschicke der Kolpingjugend. Verliehen wurde im Rahmen der Konferenz auch der jährlich vergebene Kolpingjugendpreis, der an Gruppen vergeben wird, die sich durch Aktionen und Projekte in besonderer Weise für die Kolpingjugend verdient gemacht haben. Ausgezeichnet wurde das Projekt „Jung lehrt alt“ der Kolpingjugend im Diözesanverband Eichstätt. Im Rahmen des Projektes erklären Kolpingjugendliche älteren Kursteilnehmenden die Benutzung von Smartphone, Computer, Tablet-PC und Co. Den feierlichen Höhepunkt der Konferenz stellte der Abend des gastgebenden Diözesanverbandes am Samstag dar. Gut gestärkt durch das von der Diözesanleitung des DV München und Freising extra für diesen Abend selbst gebraute Bier und ein deftiges bayrisches Buffet, stand der Abschied von zwei langjährigen Mandatsträgern auf dem Programm. Patrick Garst (DV Speyer) und Florian Liening-Ewert (DV Osnabrück) mussten dabei gleich mehrere an sie gestellte Aufgaben bewältigen. Unter anderen war es ihre Aufgabe, aus einem Liedermedley, dass von den knapp 100 Delegierten der Konferenz auf Blockflöten gespielt wurde, die richtigen Liedtitel zu erkennen, was sie bravourös meisterten. Eine besondere Ehre wurde am späten Abend Florian Liening-Ewert zur Teil. Für sein langjähriges Engagement in den Gremien des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend wurde ihm von dessen Bundespräses Simon Rapp das Ehrenkreuz des BDKJ in Gold verliehen. Als ein weiterer Beratungspunkt wurde von der Konferenz beschlossen, dass die Kolpingjugend zwischen 2018 und 2020 eine Jugendwallfahrt oder ein vergleichbares spirituelles Angebot durchzuführen soll. Zuletzt hatte die Jugendwallfahrt „wegweisend“ 2009 in Köln stattgefunden. Die Prüfung der Umsetzung wurde als erste Aufgabe an das neue Bundesleitungsteam übergeben. Ebenso soll dieses sich Gedanken zur Einrichtung eines bundesweiten Schwerpunktthemas für die Arbeit der Kolpingjugend machen. Geschafft und zufrieden machten sich die Delegierten am Sonntag auf den Heimweg. Die nächste Bundeskonferenz der Kolpingjugend findet vom 26. – 28. September 2014 in Kirchähr (DV Limburg) statt.

Für den Bericht: Max Grösbrink

Auf dem Weg in die Gerontokratie - ein Kommentar

Die Regierungskoalition im Deutschen Bundestag verfügt über 504 von 631 Sitzen. Genug also, um die 18. Legislaturperiode seit der Gründung der Bundesrepublik dazu zu nutzen, mutige Entscheidungen zu treffen und Deutschland zukunftssicher aufzustellen. Leider waren die ersten Wochen der neuen großen Koalition alleine von der Einlösung versprochener Wahlgeschenke geprägt. Die Interessen der heutigen jungen Wählerinnen und Wähler sowie die Begrenzung der Belastung nachfolgender Generationen scheinen in den Köpfen der Koalitionäre keine Rolle zu spielen. Bürgerinnen und Bürger die 45 Jahre lang gearbeitet und in die Rentenkasse eingezahlt haben, werden mit 63 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen können. Sie müssen nicht bis 67 arbeiten, wie es seit der Gesetzesänderung der letzten großen Koalition in 2007 vorgesehen ist. Mütter (und Väter) die zur Erziehung ihrer vor 1992 geborenen Kinder zu Hause geblieben sind, erhalten eine höhere Anerkennung dieser Erziehungszeiten für ihre Rente.

Mit beiden Gesetzesänderungen lösen die Regierungsparteien unmittelbar nach der Aufnahme ihrer Arbeit ihre Wahlversprechen ein und bedanken sich bei ihren Wählerinnen und Wählern für deren Vertrauen. Dass sich diese Wahlgeschenke ausschließlich an ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger richten und sie auf lange Sicht gesehen eine noch nicht kalkulierbare Mehrbelastung der heutigen jungen Menschen und der nachfolgenden Generationen bedeuten, ist leider weder in den Regierungsparteien ernsthaft diskutiert worden, noch hat es zu einem breiten gesellschaftlichen Aufschrei geführt.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Mit Sicherheit haben sowohl Menschen, die 45 Jahre lang gearbeitet und in die Rentenkasse eingezahlt haben, als auch Mütter und Väter, die mit der Erziehung ihrer Kinder eine wichtige gesellschaftliche Leistung erbracht haben, es verdient, mit dem Erreichen des Rentenalters eine ihren Leistungen angemessene und auskömmliche Rente zu erhalten, um einen finanziell abgesicherten Lebensabend verbringen zu können.

Auf der anderen Seite haben aber auch die heutigen jungen Menschen und insbesondere die nachfolgenden Generationen ein Anrecht darauf, in eine Gesellschaft hineinzuwachsen, die ihnen nicht ihre ganzen Altlasten zur Beseitigung überlässt. Dabei denke ich zum Beispiel an einen immensen Schuldenberg (2.025.448.000.000€ in 2011), eine in vielen Erdteilen irreparabel geschädigte Natur und ein überfordertes Sozialsystem. Die Liste ließe sich mit Sicherheit noch länger fortsetzen. Nachfolgende Generationen haben ein Recht darauf, ihre eigenen (politischen) Entscheidungen zu treffen. Dazu benötigen sie echte Handlungsspielräume.

Die Vorzeichen des Generationenvertrages haben sich geändert. Das Verhältnis von Einzahlenden und Rentenbeziehenden gerät in ein Ungleichgewicht, von Ausgaben der Pflege- und Krankenversicherungen ganz zu schweigen. Der Satz von Konrad Adenauer „Kinder kriegen die Leute immer!" (1957) reicht leider nicht mehr aus, um den Generationenvertrag in seiner ursprünglichen Form aufrecht zu erhalten. Seit Mitte der 60er-Jahre sind die durchschnittlichen Geburtenzahlen kontinuierlich gesunken. Seit Mitte der 70er-Jahre befindet sich die Geburtenrate in Deutschland auf einem anhaltend niedrigen Niveau von durchschnittlich rund 1,4 Kindern je Frau. Daran haben auch diverse Anreize durch Bundesregierungen jedweder Couleur nichts ändern können. In 2030 wird die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter voraussichtlich rund 6,3 Millionen Menschen weniger umfassen als heute.

Aus meiner Sicht bestätigen die eingangs beschriebenen politischen Weichenstellungen der neuen großen Koalition das, was Experten schon seit längerer Zeit voraussagen. Wir steuern zu auf eine Gerontokratie (Herrschaft der Alten) in der die älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger auf Grund ihrer schieren Menge zur wichtigsten politischen Gruppe aufsteigen. Die Politik wird sich also in ihren Entscheidungen mehr und mehr an dieser Gruppe orientieren, um sie nicht als Wähler zu verlieren. Leider habe ich ernsthafte Zweifel daran, dass dieser Umstand einer nachhaltigen und zukunftsweisenden Politik im Sinne nachfolgender Generationen dienlich ist.

Die Geschenke aus der Rentenkasse werden in einer Situation verteilt, in der es Deutschland im europäischen Vergleich sehr gut geht. Die Steuereinnahmen waren noch nie so hoch wie heute, die Arbeitslosigkeit ist gering, die Krankenkassen bunkern Überschüsse und die Reserven der Rentenkasse sind so hoch, dass gesetzlich vorgeschrieben der Beitragssatz sinken müsste. Doch was passiert in dieser Situation? Statt Schulden zu tilgen und Bürgerinnen und Bürger zu entlasten, werden lieber nette, aber nicht zwingend notwendige Wahlgeschenke an die treuen Wählerinnen und Wähler der älteren Semester verteilt. Angezogen werden können die Zügel ja immer noch, wenn sich die wirtschaftlichen Vorzeichen im Laufe der Legislaturperiode wieder verschlechtern, wenn die Eurokrise zurückkommt, die nächste Börsenblase platzt oder etwas gänzlich Unvorhersehbares geschieht.

Wer in guten Zeiten finanzielle Reserven als Wahlgeschenke verteilt, statt diese zur Tilgung von Schulden und zur Entlastung seiner Bürgerinnen und Bürger einzusetzen, der spielt mit der Zukunft des Landes und den Perspektiven der nachfolgenden Generationen.

 

Max Grösbrink

Der 31jährige war jugendpolitischer Bildungsreferent der Kolpingjugend Deutschland und beratendes Mitglied im Bundesarbeitskreis.

Ehrenamtliches Engagement auf Bundesebene

Ausschreibung AG Jugend & Kirche
Ausschreibung_MA__AGJuK.pdf
PDF-Dokument [326.2 KB]
Ausschreibung AG Öffentlichkeitsarbeit
Ausschreibung_MA__AGOE.pdf
PDF-Dokument [333.5 KB]

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