Im Jahr 2016 fing die Kolpingjugend im Diözesanverband Regensburg an, das erste Brasilien-Workcamp seit längerer Zeit zu planen. So konnten im Sommer 2017 fünfzehn junge Erwachsene ein Projekt im Partnerland Brasilien durch ihre Tatkraft unterstützen und Land, Kultur und Leute kennenlernen.

Auch Anfang 2020 begab sich eine Gruppe engagierter junger Leute nach Brasilien, wo sie ihrer Gast-Kolpingsfamilie tatkräftig bei verschiedenen Projekten unter die Arme griffen. Vielleicht bist ja du beim nächsten Workcamp auch mit dabei?

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Brasilien-Workcamp vom 28.02. bis 20.03.2020

Vamos ao Brasil

Auf geht’s nach Brasilien, hieß es im vergangen März für 13 junge Leute aus dem DV Regensburg. Die Freiwilligen flogen, nach einem Jahr Planung, einmal quer über den Atlantik, um bei einer dort ansässigen Kolpingsfamilie im Rahmen eines Workcamps zwei Wochen ehrenamtlich zu arbeiten. Zudem sollte auch der kulturelle Austausch noch weiter gestärkt werden, was sich allein aufgrund der unglaublichen Gastfreundschaft der Brasilianer keinesfalls als schwierig herausstellte.

Bereits bei unserer Ankunft war die Freude über unseren Besuch in jedem Moment spürbar. So wurden wir etwa, nachdem wir vom Flughafen zu unserer neuen Heimat der Kolpingsfamilie Santinho in der Großstadt Ribeirao das Neves im Bundesstaat Minas Gerais gebracht wurden, erstmal von einer in Spalier stehenden Menge an Brasilianern beklatscht und besungen.

Besonders in Erinnerung bleiben dürfte die Ankunft der Teilnehmerin Eva, welche an diesem Tag Geburtstag hatte. Eigens für sie wurde eine große Torte gebacken, sie wurde besungen und von vielen, ihr bis dahin komplett unbekannten Personen, geherzt und umarmt. Aber auch die anderen Deutschen bekamen durch Umarmungen und Herzlichkeit die Freude zu spüren, welche die zahlreich erschienen Kolpingmitglieder sowie Angehörige über den Besuch versprühten.

Nachdem allen ihre Gastfamilie vorgestellt wurde, die Betten bezogen und die ersten Kommunikationsversuche vollzogen wurden, trafen sich alle am nächsten Morgen zum ersten gemeinsamen Frühstück bei der Kolpingsfamilie. Dort kamen wir dann u.a. erstmals in Kontakt mit dem deutlich überzuckerten brasilianischen Kaffee, der einheimischen Spezialität Pao de Queijo, sowie der Köchin Eva, welche ein „Ich habe keinen Hunger mehr“ selten akzeptierte und deren Hartnäckigkeit beim Verteilen von Essen gegen Ende hin für viele Späße innerhalb unserer Gruppe sorgte.

Bevor wir mit den Arbeiten begannen, standen am Wochenende zunächst lokale Sightseeing-Touren an. Deshalb machten wir uns auf, um verschiedene Firmen sowie Produzenten in der Region rund um Kolping Santinho zu besuchen. Die Fahrten im gemieteten Bus waren aufgrund der interessanten Straßen und des wilden Fahrstils nervenaufreibender als so manche Achterbahnfahrt.

Wir besichtigten eine lokale Brauerei inklusive Bierprobe, einen familiären Töpferbetrieb, bei dem wir die Produktion der Kunstwerke hautnah mitverfolgen konnten und eine alte Kirchengemeinde, in der sich Nachfahren von Slaven treffen, um dort gemeinsam zu singen, zu tanzen oder einfach zusammenzukommen. Auch wir bekamen dort einen Einblick in ihr künstlerisches Können, indem Sie uns einen Ausschnitt aus ihrem Tanzprogramm vorführten, welcher wirklich sehenswert war.

Am nächsten Morgen fing der Tag bereits morgens um 07:00 Uhr mit dem Gottesdienst an, welchen wir alle, auch wenn manche noch etwas verschlafen, besuchten. Aber es hatte sich wirklich für jeden von uns gelohnt, denn alle waren begeistert von der – insbesondere musikalisch – sehr schön gestalteten Messe. Anschließend fuhren wir dann nach Belo Horizonte, der Hauptstadt des Bundesstaates.

Dort besuchten wir den Mercado Central, einem gigantischen Markt auf dem es von Hühnern bis Tabak wirklich alles zu kaufen gab, genossen den Ausblick auf die Millionenmetropole von einem schönen Aussichtspunkt aus und fuhren zu einer alten Wallfahrtskirche, bei der uns ein Einheimischer viel über deren Geschichte sowie die Entwicklung der ganzen Region berichtete. Zurück in Ribeirao das Neves genossen wir dann noch ein leckeres Churrasco, also ein Grillbuffet, welches für uns im Hause von Gastvater Miltinho zubereitet wurde.

Um am nächsten Tag so schnell wie möglich  mit der Arbeit starten zu können, hatten wir uns bereits im Vorfeld Gedanken gemacht, was wir denn alles erreichen wollen und uns darauf geeinigt, ein Hochbeet zu bauen, das Blumenbeet schöner zu gestalten, das Eingangsgitter sowie die restliche Wand zu streichen, ein Eingangsschild zu gestalten, sowie die deutschen Spieleklassiker Kubb und Tower of Power für die Kinder und Jugendlichen herzustellen, die dort täglich ein und aus gehen.

Leider regnete es in den ersten Tagen viel, sodass z.B. das Streichen immer nur in den wenigen Regenpausen möglich war. Dennoch waren nach kurzer Zeit deutliche Fortschritte zu sehen und am Ende der ersten großen Arbeitsphase am Donnerstagabend war bereits der Tower of Power fertiggestellt, die Grundform des Hochbeets stand, die neuen Pflanzen waren gekauft und auch die Wand sowie das Gitter waren schon erkennbar farbiger. Der kulturelle Austausch kam nie zu kurz, da zum einen immer Brasilianer um uns herum waren, die uns auch in allen Belangen immer halfen und zum anderen auch abends immer etwas geboten war.

So nahmen wir einmal an einer Unterrichtsstunde im Capoeira, einem brasilianischer Kampftanz teil und an einem anderen Abend gingen wir zu einer nahegelegen Pferdefarm, um dort gemeinsam mit den Brasilianern zu essen, zu trinken und Spaß zu haben. Nachdem die ersten Arbeitstage geschafft waren, machten wir uns am darauffolgenden Freitag auf nach Ouro Preto, übersetzt der Stadt des schwarzen Goldes. Dort bekamen wir viel über die Geschichte Brasiliens erzählt und besuchten unter anderem eine alte Goldmine.

Am nächsten Tag ging es für uns zu einem Aktivitätstag, welcher bei einer befreundeten Kolpingfamilie ausgetragen wurde. Bei diesem bekamen wir Aufführungen von verschiedenen Tanz- und Schauspielgruppen zu sehen, spielten Fußball gegen eine Kolping Futsal Mannschaft, welche uns keinerlei Chance ließ und durften auch selber sehr viel tanzen und singen. Zudem erfuhren wir, da sich an diesem Tag insgesamt sieben Kolpingfamilien aus dem Bundesstaat Minas Gerais beteiligten, sehr viel über die Arbeit der anderen KFs aus der Region, was wirklich sehr interessant und spannend war.

Nachdem wir uns dann am Sonntag bei Angeln und am See liegen entspannen sowie wieder einmal die Bäuche vollschlagen konnten, stand am Montag noch einmal ein letzter Arbeitstag an. Am Ende konnten wir wirklich stolz auf uns sein, denn alles, was wir uns vorgenommen hatten, konnten wir trotz herausfordernder Witterung fertigstellen. Auch die Brasilianer waren sehr begeistert von unserer Arbeit, machten viele Fotos und gingen immer wieder nach draußen um das neue Bild ihres Gartens zu bestaunen.

Nach diesem gelungen Arbeitsendspurt ging es für uns zu einer zweitägigen Wandertour in die Serra do Cipo, wo wir unter anderem an die Spitze sowie den Fuß eines Wasserfalls wanderten, direkt unter diesen hineinschwammen, den Sonnenuntergang, den Mondaufgang sowie ein leckeres Essen auf unserer Berghütte genossen und einfach nur in Einklang mit der brasilianischen Natur kamen. Bei einem weiteren Ausflug am nächsten Tag ging es in den Kunstpark Inhotim, welcher mit seinen zahlreichen Pflanzen und Bäumen sowie den vielen Kunstausstellungen ebenso absolut sehenswert ist.

Im Anschluss wurde die Stimmung leider getrübt. Bisher waren wir und das Land von der Corona-Krise verschont geblieben. Doch nun musste eine Teilnehmerin aufgrund des Verdachts auf Corona in Einzel-Quarantäne. Auch die Anderen mussten solange bei der Kolpingsfamilie bleiben, bis das Test-Ergebnis vorlag. Wir versuchten uns nicht entmutigen zu lassen und veranstalteten dennoch unseren, ursprünglich als Abschiedsfest geplanten, bayrischen Abend, wenn auch in deutlich kleinerem Rahmen.

Allen Brasilianern, bis auf Köchin Eva, schmeckten unsere mitgebrachten Weißwürste, Wiener und das Sauerkraut, und insbesondere von unserer Tracht zeigten sie sich begeistert. Es entwickelte sich ein sehr unterhaltsamer Abend, der bis in die Abendstunden ging. Nachdem wir erfahren hatten, dass der Corona-Test negativ war und wir alle gemeinsam weiterreisen durften, führte uns unser Weg zunächst nach Rio, um von dort aus so schnell wie möglich nach Deutschland zu kommen, da sich die Corona-Situation nun schon zugespitzt hatte.

Dennnoch war es für uns alle wirklich eine unglaubliche Erfahrung, die niemand missen möchte. Wir konnten in eine andere Kultur eintauchen wie es sonst nur selten möglich ist, unsere Spuren hinterlassen, anderen helfen und zudem noch viele neue Menschen kennenlernen, die wir bestimmt nie vergessen werden. Dies lag vor allem auch an unserem tollen Projektpartner, der das Ganze hervorragend geplant hatte und dessen Mitglieder wirklich jederzeit da waren, um uns zu unterstützen.

Deshalb unser Fazit: Muito Muito Gosto.

Für den Bericht: Philipp Heidenkampf